PKV – Erneut unseriöse Werbeanrufe bei Privatversicherten

In den letzten Wochen haben sich wieder verstärkt Versicherungskunden darüber beschwert, dass sie Anrufe von sogenannten Tarifoptimierern erhalten. Diese versprechen Prämienersparnisse von bis zu 40 Prozent bei Wechsel in einen anderen Tarif. Das Problem: Seriös sind die Anrufe in der Regel nicht! Sogar der PKV-Dachverband hat schon gewarnt, leichtsinnig sensible Informationen weiterzugeben.

Wenn das Telefon klingelt, ist nicht immer ein erbetener Anrufer am anderen Ende der Leitung. So auch in jenen Fällen, von denen ein Stralsunder Versicherungsmakler jüngst auf seiner Webseite berichtete. Gleich mehrere seiner Kunden bekamen Anrufe von einem Wechselanbieter mit dem Versprechen, sie könnten bis zu 40 Prozent der PKV-Beiträge sparen, wenn sie in einen anderen Tarif wechseln. Auch andere Vermittler berichten von solchen Abwerbeversuchen.

Tatsächlich gibt es im Versicherungsvertragsgesetz den Paragraphen 204 VVG. Dieser besagt, Kunden haben Anspruch auf einen Tarifwechsel beim eigenen Versicherer, sollte dieser einen vergleichbaren Tarif mit ähnlichem Leistungsumfang billiger anbieten. Eine neue Gesundheitsprüfung darf der Versicherer nur dann verlangen, wenn der Kunde auf Mehrleistungen besteht, die der Tarif beinhaltet. Gerade für ältere Kunden ist ein solcher Wechsel eine Option, Beitragssteigerungen im Alter zu vermeiden.

Anrufer sind nicht seriös

Doch besagte Anrufer, die mit derartigen Versprechen Kunden locken, sind schlicht nicht seriös. Dies zeigt sich schon daran, dass sie am Telefon nicht die Wahrheit sagen. So wollten einige Kunden wissen, woher der Anrufer denn die Telefonnummer und die Daten der Krankenversicherung habe. Die Werbeanrufer antworteten, es gebe ein deutsches PKV-Register, in dem die Kontaktdaten aller Privatpatienten gespeichert seien. Eine glatte Lüge, denn ein solches Register existiert nicht.

Auch die Versicherungen und Vermittler haben die Daten nicht weitergegeben, sie dürfen es gar nicht. Wahrscheinlicher ist, dass die vermeintlichen Tarifoptimierer sich die Datensätze bei Online-Händlern im Netz gekauft haben. Es gibt entsprechende Händler, die Informationen im Netz abgreifen und dann weiterverkaufen – übrigens ganz legal. Oft hat der Kunde allzu arglos sensible Daten in ein Online-Formular eingegeben, hinter dem sich Adresshändler verbargen.

Auch die Höhe der versprochenen Einsparung ist nicht seriös. Der Verbraucherverband „Bund der Versicherten“ (BdV) hat Ende des letzten Jahres einen solchen Tarifoptimierer abgemahnt – weil die Hochrechnungen des Tarifwechselanbieters völlig unrealistisch waren. Darüber hinaus hat der Verband 2015 eine Unterlassungserklärung zu den bisherigen Methoden in Werbeflyern und im Webauftritt des Tarifwechsel-Anbieters erwirkt.

Am Telefon Infos nicht einfach weitergeben!

Statt sensible Daten an die Anrufer weiterzugeben, sollten Betroffene sich lieber nach Namen und Kontaktdaten erkundigen und eine Online-Beschwerde bei der Bundesnetzagentur einreichen. Denn oft stecken dahinter ebenjene Adresshändler, die Daten abgreifen und weiterverkaufen wollen. Selbst der PKV-Dachverband hat bereits vor solchen „Cold Calls“ gewarnt. Sie erfüllen nach Ansicht des PKV-Verbandes den Tatbestand des strafbaren Verhaltens im Sinne des Bundesdatenschutzgesetzes (§ 43 Abs. 2 Nr. 1 BDSG).

Solveig Wuttke

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